Grafik:NABU/Stefanie Gendera
Liebe Naturfreunde,
die NABU- Gruppe Essershausen, einst Vogelschutzgruppe, seit 1976, ist eine bedeutende Einrichtung im Weiltal. In einem Ortsteil von Weilmünster hat sich über Jahrzehnte eine engagierte Gemeinschaft entwickelt, die Naturfreunde, Naturschutz, Vogelschutz und Biotopschutz miteinander verbindet. Die Gruppe ist aktiv und viele Mitglieder bringen sich mit Freude und Elan ein. Freunde, die sich regelmäßig treffen, teilen die Begeisterung für Vögel, Bienen, Amphibien und die vielfältigen Lebensräume der Region. Sie arbeiten daran, Lebensräume zu schützen, zu verbessern und möglichst vielen Arten eine Oase zu geben.
Als Pionier im Weiltal hat sich die NABU- Gruppe Essershausen einen Namen gemacht, der bundesweit bekannt und angesehen ist. Die große Gruppe ist stolz auf ihre vielen erfolgreichen Aktionen, die von Zusammenhalt, Motivation und fortschrittlicher Arbeitsweise getragen werden. Die Mitglieder zeigen eine bemerkenswerte Kameradschaft und eine Freude, gemeinsam zu gestalten. Die Jugend spielt eine wichtige Rolle und erhält durch Projekte, Workshops und Exkursionen wertvolle Erfahrungen im Natur- und Umweltschutz. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft macht den Verein stark und ermutigt neue Mitglieder, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
In den Händen der Ehrenamtlichen entstehen Projekte, die Artenvielfalt fördern und Biodiversität schützen. Es geht um den Schutz von Kröten, Molchen und Fröschen, besonders in Feuchtgebieten rund um Bäche und kleine Weiher. Wasser ist ein zentrales Element: Teiche, Waldbäche und Feuchtwiesen bieten Lebensraum für Wasserinsekten, Libellen, Fische und Amphibien. Die Suche nach geeigneten Brut- und Rastplätzen führt oft zu unkomplizierten, aber wirksamen Maßnahmen wie das Anlegen von Nistkästen für Meisen, Finken und Enten oder das Installieren von Schutzzäunen für wandernde Kröten am Gewässerrand.
Die Gruppe arbeitet eng mit Förstern und lokalen Partnern zusammen, um Bäume, Wälder, Wiesen und Felder zu schützen und zu pflegen. In den Stollen und Stollenanlagen der Region, die teils vergittert oder unzugänglich wirken, finden Fledermäuse Unterschlupf; hier gilt es, sensible Bereiche zu kennzeichnen und zu schützen. Der Steinkauz, eine besonders rar gewordene Art, erhält durch gezielte Nistkästen und Habitatmaßnahmen neue Chancen. Bienenfutterautomaten ergänzen im Gartenbereich die Arbeit für Bestäuber, während Amphibien- und Insektenfreundliche Gestaltungsteile in Gärten und öffentlichen Grünflächen beobachtet und weiterentwickelt werden.
Eine weitere Facette der Aktivitäten ist die Öffentlichkeitsarbeit: Werbung, Informationsveranstaltungen, Führungen und Projekte, die das Bewusstsein für Natur- und Artenschutz in der Bevölkerung stärken. Die Mitglieder berichten über Erfolge, teilen Erfahrungen und motivieren andere, ebenfalls aktiv zu werden. So wird der Verein, trotz der eher kleinen Größe, zu einem großen Verein im Denken und Handeln, der Lebensräume schützt, das Staunen über die Natur fördert und eine bleibende Wertschätzung für die Schönheit der Natur vermittelt.
Insgesamt bleibt die NABU- Gruppe Essershausen eine starke Gemeinschaft, die sich durch Verantwortung, Engagement und Freude auszeichnet. Die Gruppe schafft Verlässlichkeit, bietet Orientierung und zeigt, dass man auch in einem kleinen Ort etwas Großes bewegen kann. Die Leidenschaft für Tiere, Pflanzen und Lebensräume, der Respekt vor der Natur und die Bereitschaft, sich ehrenamtlich einzubringen, machen den Verein zu einer besonderen Anlaufstelle in der Region – eine Anlaufstelle, die Leben schützt, Vielfalt bewahrt und die Herzen der Menschen erfüllt. Und so bleibt die Botschaft klar: Zusammenhalt, Fortschritt und Begeisterung führen zu einer besseren, schöneren Welt auch im Weiltal.
Ihr Christoph Gath, Vorsitzender
Foto: NABU/Jonathan Fieber
Bei Brennnesseln denken die meisten Menschen an Unkraut und juckende Quaddeln auf der Haut. Die Pflanze hat ein
schlechtes Image und wird darum aus vielen Gärten verbannt. „Das ist schade, denn die Brennnessel ist für viele Schmetterlingsraupen eine wichtige Futterpflanze“, sagt NABU-Insektenexpertin
Daniela Franzisi. „Mehr als dreißig heimische Falterarten leben von ihr.“ Welche das sind, kann jetzt jeder und jede mit der Aktion „Raupen an Brennnesseln“ von NABU und NABU|naturgucker
entdecken, die heute startet.
„Besonders die Raupen von Admiral, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Landkärtchen, C-Falter und Nesselzünsler lieben
Brennnesseln“, so Franzisi. „Wie sich die Bestände bereits bei den Raupen dieser Falter entwickeln, wird bisher nicht erfasst. Wir freuen uns darum, wenn viele Menschen bei der Meldeaktion
mitmachen. Ein regelmäßiges und flächendeckendes Monitoring könnte die Daten liefern, um Veränderungen der Biodiversität in Deutschland zu erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu
ergreifen.“ Das wäre nicht nur für die Falter selbst wichtig: Schmetterlinge gelten als Bioindikatoren, die frühzeitig auf Veränderungen der Umwelt- und Lebensbedingungen hinweisen
können.
Wie bei vielen anderen Insektenarten auch, gehen die Schmetterlingsbestände seit Jahren zurück. „Selbst häufige Arten
nehmen regional ab. Da viele auf die Brennnessel angewiesen sind, wäre es wichtig, der unbeliebten Pflanze einen Platz in seinem Garten zu überlassen“, so Franzisi. „Die Belohnung dafür ist
bunter Schmetterlingsbesuch.“
Für einige dieser Arten sind Brennnesseln sogar die einzige Nahrungspflanze, auf der die Weibchen ihre Eier ablegen und
die Raupen sich entwickeln können. Für einige Arten, wie dem Admiral, ist die Brennnessel sogar ein kompletter Lebensraum. Eier, Raupe, Puppe und der Schlupf des fertigen Falters finden nur an
der Brennnessel statt. Die Beziehung zwischen Raupen und Brennnesseln als Nahrung zeigt im Detail wie komplex und sensibel unsere Natur ist. Die Raupen nutzen die Brennnesseln als Nahrung und
Schutzraum vor Fressfeinden. Einige Raupenarten haben sich so angepasst, dass sie die Abwehrstoffe entgiften können. Dadurch können sie die Blätter unbeschadet fressen. Die späteren Falter sind
für viele weitere Blühpflanzen wichtige Bestäuber.
Und so geht das Mitmachen: Wer draußen unterwegs oder im Garten ist, sollte sich Brennnesseln ganz genau anschauen. Im
Sommer können die Pflanzen zum Raupen-Hotspot werden. Wer eine Raupe findet, sollte sie fotografieren. Welche ist es und welcher Falter wird es einmal? Mit dem www.insektentrainer.de kann man das
im Zweifelsfall herausfinden. Dann die Art mit Foto bis zum 8. Juli melden.
Foto: NABU/Tom Dove
Im Frühjahr rief der NABU Hessen dazu auf, mitzuteilen, wo und wann die ersten Kuckucksrufe des Jahres zu hören
waren. Die Beteiligung der hessischen Vogelfreund*innen war erfreulich: Über 450 Meldungen aus allen Teilen Hessens gingen beim NABU ein. Den ersten gesicherten Nachweis in diesem Jahr gab es
bereits am 3. April bei Bad Hersfeld, weitere am 7. April bei Mörfelden-Waldorf sowie am 9. April bei Trebur, Bad Schwalbach und Büttelborn. „Ab Mitte April ging es dann richtig los mit den
gemeldeten Kuckucksrufen, der Höhepunkt lag in den ersten beiden Maiwochen. Ende des Monats wurde es dann schon wieder deutlich ruhiger“, erklärt Maik Sommerhage, Landesvorsitzender des NABU
Hessen. Die Informationen aus der Bevölkerung sind für die Naturschützer besonders wertvoll, da sie ihnen helfen, den Einfluss von Klima- und Landschaftsveränderungen auf die heimische Vogelwelt
besser zu verstehen und passende Schutzmaßnahmen zu entwickeln. „Jede einzelne Meldung ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz des Kuckucks, der als Indikator für ökologische Veränderungen gilt", so
Sommerhage.
Klimawandel bereitet Kuckuck Probleme
Viele Frühlingsvögel treffen aufgrund der Klimaerwärmung immer zeitiger in Hessen ein. Vom Kuckuck, der als
Langstreckenzieher in Afrika überwintert, wird bislang angenommen, dass er seine Ankunftszeit noch nicht an den Klimawandel angepasst hat. Sein unverwechselbarer Ruf ist nach wie vor meist erst
im Laufe des Aprils zu hören. Viele Wirtsvögel des Kuckucks wie z.B. Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Zaunkönig, Bachstelze und Teichrohrsänger, beginnen jedoch immer früher mit ihrer Brut. Wenn der
Kuckuck hier eintrifft, sind die ersten Eier oft schon gelegt. „Für die Kuckucksweibchen wird es immer schwieriger, ihre Eier den zukünftigen ‚Zieheltern‘ mit Erfolg unterzuschieben“, erklärt der
Ornithologe Sommerhage. Sie sind auf Wirte angewiesen, die ganz am Anfang ihrer Brut stehen, damit der junge Kuckuck möglichst als Erster schlüpft und die Eier oder Jungvögel seiner Zieheltern
noch über den Nestrand schieben kann.
Erste Kuckucke rufen im April
Mit der langfristig angelegten Aktion „Wann kommt der Kuckuck?“ möchte der NABU Hessen herausfinden, wie der Kuckuck
langfristig auf die veränderten Lebensbedingungen durch den Klimawandel reagiert. Der Lebensraumverlust durch immer strukturärmere Landschaften wird künftig nicht sein einziges Problem sein. Um
sich erfolgreich fortzupflanzen, ist es für den Kuckuck wichtig, sich genau auf das Brutgeschehen seiner Wirtsvögel abzustimmen. Dieses sensible Gefüge kann durch die Klimaerwärmung gestört
werden. Die Auswertung der Kuckucksrufe der letzten Jahre hat gezeigt, dass es dem Kuckuck grundsätzlich möglich ist, sich an den Klimawandel anzupassen. In allen hessischen Regionen waren
jeweils schon in den ersten Apriltagen die typischen Balzrufe zu hören. Kuckucke, die früher nach Hessen zurückkehren, haben auf jeden Fall einen Vorteil. „Erfreulich ist, dass der Kuckuck nach
wie vor in ganz Hessen verbreitet ist“, so Sommerhage.
Foto: NABU/Oliver Richter
Nicht nur im Handwerk heißt es nach der Lehre, zünftig auf Wanderschaft zu gehen und selbstständig zu werden. Das gilt
auch für junge Biber, die nun ihre Eltern verlassen und sich auf die Suche nach einem eigenen Revier begeben. Jetzt im Frühjahr ist nach zwei Jahren die Lehrzeit der jungen Biber bei ihren Eltern
beendet. Sie verlassen den Bau, um eine eigene Familie zu gründen. Wer nicht freiwillig geht, bekommt von den Eltern den entscheidenden Schubs, denn Ressourcen wie Nahrung und Lebensraum reichen
im elterlichen Revier nur für eine Familie zum Überleben.
Biber-Beobachtungen online melden
Auf der Suche nach neuen Lebensräumen wandern Jungbiber durchschnittlich 3 bis 25 Kilometer. Besonders engagierte Tiere
legen sogar bis zu 100 Kilometer zurück und können dann an weit entfernten Flüssen und Teichen im ganzen Land auftauchen. Die Wanderschaft ist für Biber allerdings sehr gefährlich. So fallen
nicht wenige Biber auf ihrer Wanderung dem Straßen- oder Schienenverkehr zum Opfer. Damit wir mehr darüber erfahren, wo sich Biber neu ansiedeln, bitten wir darum, Beobachtungen über die
Biber-WebApp von NABU-Naturgucker zu melden. Jeder Eintrag trägt dazu bei, mehr über den Biber und sein Verhalten in Hessen zu erfahren. Über die WebApp können Sichtungen von Bibern und ihren
Spuren ganz einfach online gemeldet werden. Mit Hilfe engagierter Naturbeobachter entsteht so ein detailliertes Bild des aktuellen Biberbestandes. Auf der Aktionsseite der Biber-WebApp können
sich Interessierte außerdem informieren, wie man Biber, Nutria und Bisam gut unterscheiden kann.
Hochwasserschutz durch fleißigen Landschaftsarchitekten
Wer fleißige Handwerker sehen möchte, wird beim Biber voll auf seine Kosten kommen. Wir Menschen profitieren von der
ehrenamtlichen Arbeit des Bibers enorm, da die von ihm geschaffenen Auenlandschaften die Hochwassergefahr deutlich verringern. Zudem wird durch die Dämme, bzw. die neuen Auen die
Selbstreinigungskraft der Gewässer erhöht. So werden unsere Gewässer vor Dünger- und Gifteintrag geschützt, was wiederum der Qualität unseres Trink- und Grundwassers zugutekomm. Gleichzeitig
werden selbst in vormals eintönigen Flusslandschaften neue Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten geschaffen: strukturreiche Stillgewässer entstehen, in denen sich Wasserpflanzen
einstellen. Fische, Libellen und Amphibien finden wieder mehr Laichplätze und Weiß- und Schwarzstorch oder Eisvogel mehr Nahrung.
Kurze Geschichte des Bibers in Hessen
Im Jahr 1596 wurde der letzte hessische Biber an der Gersprenz im Odenwald gesichtet. Die intensive Bejagung des größten
europäischen Nagers sorgte dann vorerst für sein Verschwinden von der Landkarte. Ein Wiederansiedlungsprojekt in den späten 1980er Jahren ebnete den Boden für das Comeback des geschickte
Auenarchitekten nach Hessen: Aus den anfänglichen 18 Pionierbibern im Spessart sind mittlerweile etwa 2.600 hessische Genossen geworden. Erfolgreich verlief das Projekt vor allem, weil Biber
durch naturnahe Uferstreifen einen freien Raum zur Gestaltung ihrer Lebensräume bekamen, Behörden das Projekt professionell begleiteten und ein Netz aus ehrenamtlichen Biberbetreuer*innen für die
Akzeptanz des Rückkehrers in der Bevölkerung warb. Der NABU wirbt dafür, diese Erfolgsstrategie auch in Zukunft gemeinsam mit vielen Akteuren fortzusetzen.
Foto: NABU/Sebastian Hennings
Viele schlechte Nachrichten, aber auch einige gute: Die Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“, die am zweiten
Maiwochenende stattfand, sind gemischt. „Zum Glück sieht es bei den Finken nicht ganz so schlecht aus wie befürchtet – zumindest nicht bei allen Arten“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Bernd Petri.
„Bei den Buchfinken können wir in Hessen ein Plus bei den Sichtungen von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen, der Grünfink machte immerhin ein Prozent Plus. Es scheint sich keine neue
Infektionswelle mit Trichomonaden anzubahnen, die in der Vergangenheit zu Verlusten unter einigen Finkenarten geführt hatte.“ Allerdings kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Grünfink
seit Jahren zunehmend weniger gemeldet wird, wie auch die Zahlen der Bestandserfassung des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) bestätigen. Petri: „Eine Ursache ist vermutlich, dass der
Grünfink stärker unten den Infektionswellen mit Trichomonaden gelitten hat als der Buchfink.“ Die Erreger verbreiten sich vor allem an Futter- und Wasserstellen. „Wer Vögel füttert, sollte daher
unbedingt auf die Hygiene achten“, rät Petri. „Am besten Futtersäulen nutzen und Wasser täglich wechseln.“ Bei der Amsel deutet nichts auf größere Verluste hin, wie sie in den vergangenen Jahren
leider festgestellt worden waren. Die melodische Abendsängerin wurde ähnlich häufig wie 2025 gemeldet.
Rückgang bei den Spatzen
„Deutlich düsterer sieht es dagegen bei den Spatzenarten aus“, so Petri. „Der Haussperling liegt zwar nach wie vor auf
Platz eins unserer Rangliste der am meisten gemeldeten Vögel in Hessen, wurde in den Gärten aber in deutlich geringerer Anzahl gesehen. Damit setzt sich der Negativtrend der vergangenen Jahre
vorerst leider fort.“ So hatten die Hessen vor zehn Jahren durchschnittlich 5,37 Haussperlinge pro Garten gemeldet, in diesem Jahr waren es nur noch 4,14. Der Feldsperling konnte sein
Vorjahresergebnis in Hessen immerhin halten. Im Vergleich zu 2016, als noch 1,96 Vögel pro Garten beobachtet wurden, ist aber auch bei ihm mit nur noch 0,93 Vögeln pro Garten in 2026 ein starker
Rückgang zu verzeichnen. Petri: „Diese Zahlen müssen uns besorgen. Denn wenn so häufige Arten wie der Haussperling immer weniger gemeldet werden, könnte das ein Alarmsignal für den Zustand der
Natur in unseren Siedlungen sein.“ Grund dafür sind meist ein mangelndes Nahrungsangebot und der Verlust von Wohn- und Lebensraum in den Städten.
Weniger Vögel pro Garten
Bei den gesichteten Vögeln pro Garten setzt sich in Hessen der leichte, aber stetige Abwärtstrend ebenfalls fort: Wurden
2018 noch 32,70 Vögel gezählt, flatterten diesmal nur noch 27,00 Vögel durch einen Garten oder Park. Insgesamt haben in Hessen über 3.800 Menschen bei der Vogelzählung mitgemacht und aus mehr als
2.600 Gärten über 71.000 Vögel gemeldet. Bundesweit waren es 56.000 Menschen, über 38.000 Gärten und weit über eine Million Vögel. Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine Mitmachaktion von NABU und
seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel. Sie findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt.
Über 90.000 NABU-Mitglieder für die Natur
Mit mehr als 90.000 Mitgliedern ist NABU Hessen der älteste und mitgliederstärkste Umweltverband Hessens. Der NABU
engagiert sich für den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. Der NABU begeistert für die Natur und fördert
naturkundliche Kenntnisse für ein aktives Naturerleben. Mehr Infos: https://hessen.nabu.de/wirueberuns/index.html
Foto: Insektenhotel (Lena Lux Fotografie&Bildjournalismus)
Im Frühling sind viele Insekten auf Nahrungssuche unterwegs und summen manchmal auch auf Terrasse, Balkon oder im Außenbereich von Gastwirtschaften umher. Obwohl Bienen, Wespen, Schmetterlinge und Co wichtig für das Funktionieren der Natur sind, werden sie immer wieder mit aufgestellten Insektenfallen verfolgt. Ob Klebfalle, süße Flüssigkeiten im Gefäß oder andere Fallentypen, alle haben das Problem, dass sie wahllos viele verschiedene Insekten töten. Darunter auch besonders geschützte Arten wie Hornissen, Falter oder Wildbienen. Sie haben deshalb im Außenbereich nichts zu suchen und der Mensch ist auf die Insektenvielfalt dringend angewiesen. Ob als Bestäuber, Gesundheitspolizei oder wichtige Nahrungsquelle für Vögel und ihre Jungen: Ohne Insekten geht gar nichts. Sie dürfen deshalb nicht ohne einen vernünftigen Grund beunruhigt, gefangen, verletzt oder getötet werden. Besonders erschütternd ist es, wenn sogar stark gefährdete und deshalb besonders geschützte Insektenarten in den unspezifischen Fallen landen und sterben. Im Frühling betrifft das auch junge Hornissen-Königinnen, die dann kein neues Volk mehr gründen können. Deshalb ist zumindest der Einsatz von elektrischen Insektenvernichtern mit UV-Licht im Freien mittlerweile ganz verboten.
Insekten schützen
Besonders geschützte Arten, wie etwa Hornissen und Wildbienen, dürfen gemäß § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes weder
gefangen, verletzt noch getötet werden. Bei allen anderen Arten muss ein vernünftiger Grund vorliegen, um sie zu verfolgen. Ein solcher Grund ist z.B. die Gefahr von Wespen am Haus für einen
Allergiker. „Wenn es eine Alternative gibt, liegt in der Regel kein vernünftiger Grund vor. Dann gilt es, auf die Alternativen zu setzen und lästige Insekten mit anderen Abwehrmaßnahmen zu
vertreiben“, erklärt Sommerhage. Das können z.B. eine Ablenkfütterung, Pflanzen wie Lavendel und Zitronengras oder das Abdecken von Speisen sein. Deshalb appelliert der NABU, auf Insektenfallen
außerhalb der vier Wände von vornherein ganz zu verzichten. Damit riskiert man auch kein Bußgeld, das beim grundlosen Töten von Wespen und anderen Tieren fällig werden kann.
Großes Insektensterben
Viele Studien der letzten Jahre zeigen, dass die Insektenbestände in Deutschland deutlich zurückgehen. Eine intensive
Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, die Ausräumung der Landschaft und die zunehmende Lichtverschmutzung sind wesentliche Gründe für den Insektenschwund. Der NABU engagiert sich seit
vielen Jahren für den Schutz von Insekten. Sie sind unverzichtbar für das menschliche Leben und die gesamte Natur. In den Ökosystemen tragen sie unter anderem zur Vermehrung von Pflanzen sowie
zur Fruchtbarkeit des Bodens bei und dienen vielen anderen Tieren wie Vögeln, Amphibien und Reptilien als wichtige Nahrungsgrundlage.
Foto: NABU/Jan Piecha
Igel und Maulwürfe sind typische Gartentiere und doch bekommt man sie eher selten zu Gesicht. Um mehr über sie zu
erfahren, läuft vom 15. bis 25. Mai wieder die bundesweite Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“ – bereits zum 6. Mal. „Je mehr Sichtungen gemeldet werden, desto besser. Denn so erfahren
wir mehr über die Tiere und können uns ein gutes Bild von den Beständen machen“, sagt Theresa Seidel, NABU-Expertin für Citizen Science. Nicht nur im Garten, auch in Parks und auf Wiesen kann
nach den Kleinsäugern Ausschau gehalten werden. Die gemeldeten Daten fließen in eine wissenschaftliche Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung ein, denn es gibt bisher keine
verlässlichen Zahlen zu den Beständen der beiden Tiere in Deutschland.
Bei den Maulwürfen verraten oft nur Erdhaufen ihre Anwesenheit. Daher können auch Maulwurfshügels gemeldet werden. Igel
sind vorwiegend in der Dämmerung aktiv und werden so oft gar nicht bemerkt. „Trotzdem ist jetzt im Mai die beste Zeit, beide Arten anzutreffen. Denn sie sind gerade auf Partnersuche und darum
viel unterwegs“, sagt Seidel. Auch verendete Tiere, etwa an der Straße, sollen gemeldet werden. Unter Igelsuche.de kann jeder seine Beobachtungen mit Datum und Fundort eintragen, ein Foto hinzufügen und Hinweise zum Fund
dokumentieren.
„Viele Gartenbesitzende ärgern sich über Maulwurfshügel“, so Seidel. „Dabei sind Maulwürfe sehr nützliche Tiere. Sie
lockern die Erde auf und fressen viele Schädlinge, wie Drahtwürmer und Rüsselkäferlarven. Wir plädieren für eine andere Sicht auf diese besonders geschützten Gartentiere.“ Intensiv genutzte
Agrarlandschaften, Stein- und Schottergärten und Mähroboter setzen beiden Kleinsäugetieren stark zu. Der Igel steht auf der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands bereits in der Kategorie
„Vorwarnliste“. Der Maulwurf wird noch als „ungefährdet“ geführt.
„Deutschland sucht Igel und Maulwurf“ ist ein gemeinsames Projekt von Deutscher Wildtier Stiftung, NABU|naturgucker,
Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, Deutscher Gartenbau-Gesellschaft 1822, NABU und Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Ziel der Meldeaktion ist es, möglichst
viele Daten zu den beiden Tieren zu sammeln und mittel- bis langfristig Populationstrends erkennen zu können. Aus den Daten können später Schutzmaßnahmen für Igel und Maulwurf abgeleitet
werden.
Foto: NABU/Oscar Klose
Mit dem Wonnemonat Mai kommt auch die Zeit der Feiertagsausflüge. Da es an den langen Feiertagswochenenden, beginnend
mit dem 1. Mai, immer mehr Menschen in die freie Natur zieht, bittet der NABU darum, sich möglichst rücksichtsvoll zu verhalten, um den Tieren in dieser sensiblen Phase die nötige Ruhe zu gönnen.
Wir freuen uns, dass viele Menschen die heimische Natur genießen möchten. Das sollte aber immer mit Rücksicht auf die wilden Tiere und Pflanzen geschehen. Jetzt in der Brut- und Setzzeit
gilt das umso mehr. Denn auch wenn man selbst kein Tier sieht, kann doch ein gut getarnter brütender Vogel im Grün sitzen oder ein Rehkitze in der Wiese liegen. Deshalb gilt: Bitte auf den festen
Wegen bleiben und sich an die Regeln in Schutzgebieten halten.
Störungen für Wildtiere vermeiden
Größere Besucherströme in der freien Natur bringen immer auch Störungen für die Wildtiere mit sich. Deshalb brauchen
brütende Vögel wie Feldlerche, Feldsperling, Neuntöter und Goldammer sichere Ruhezonen, in denen sie stressfrei ihre Jungen großziehen können. Auch der in Hessen selten gewordene Feldhase
benötigt ungestörte Rückzugsräume. Angesichts der großen Trockenheit im April gilt es auch, durch umsichtiges Verhalten Waldbrände zu vermeiden. Wer die grüne Natur im Mai mit gutem Gewissen
genießen möchte, sollte sich an folgende einfache fünf Faustregeln halten:
• Hunde an die Leine: Hunde werden von den meisten anderen Tieren als Bedrohung gesehen, deshalb sollten sie nicht frei
herumlaufen. Das Aufsammeln der Hinterlassenschaften sollte sich für verantwortungsvolle Hundehalter von selbst verstehen.
• Auf dem Weg bleiben: Wer in der offenen Feldflur auf den Wegen bleibt, minimiert Störungen in der Brut- und Setzzeit
von Wildtieren automatisch. In fast allen Naturschutzgebieten gilt ohnehin ein strenges Wegegebot, dort sollte man unbedingt die ausgewiesenen Betreuungs- und Ruhezonen beachten. Das gilt auch
auf Flüssen und Seen.
• Abstand halten: In Schutzgebieten sollten ausgewiesene Ruhezonen für Vögel und andere Wildtiere beachtet werden. Sie
markieren Rückzugsbereiche für gefährdete Arten. Solche Ruhezonen spielen auch auf Flüssen und an Seen eine große Rolle.
• Nicht zündeln: Rauchen, Grillen und offenes Feuer werden schnell zu einer großen Gefahr und können Waldbrände
entzünden. Viele unterschätzen auch den Schaden, den achtlos weggeworfene Zigarettenstummel anrichten. Diese enthalten viele Schadstoffe, die so unkontrolliert in die Natur gelangen und sich dort
anreichern.
• Nichts hinterlassen: Abfall ist nicht immer zu vermeiden, ob Plastik oder Bananenschalen. In der freien Natur hat er
aber nichts zu suchen. Deshalb sollte Abfall immer mit nach Hause genommen und dort entsorgt werden.
Mit etwas Vorsorge und Umsicht wird der Frühlingsausflug so zu einem schönen Erlebnis für alle Beteiligten. Wer sich
ruhig verhält, kann vielleicht einen seltenen Vogel, ein äsendes Reh oder einen bunten Schmetterling beobachten und dann mit einem besonders schönen Naturerlebnis nach Hause gehen.
Foto: Sebastian Hennings